Von ZELLHAUFEN und SEPARATORENFLEISCH

Performance mit einer Auswahl Unwörtern des Jahres aus meinem Projekt WEICHE ZIELE und WOHLSTANDSMÜLL

Fotos: Günther von der Kammer

Impressionen der ersten Performance mit den Unwörtern im Kunstforum der GEDOK. Wir werden sie auf jeden Fall wiederholen! Danke an alle Gäste für die begeisterten Reaktionen.

Violas Flaschenpost

Text und Foto: Maren Schönfeld

Die Flasche war dunkelgrün und eher klein, bauchig. Unterhalb des Flaschenhalses zierte sie ein erhabenes Muster, das ihr etwas Altmodisches oder Fremdes verlieh. Leise klirrend stieß die Flasche immer wieder gegen die Ufersteine; der rote Siegellack, mit dem sie verschlossen war, blieb unversehrt.

Bereits eine halbe Stunde saß Viola oben auf den Steinen und beobachtete die Flasche, hinter deren Glas es hell schimmerte. Es gab keinen Zweifel daran, dass es eine Flaschenpost war. Als Kind hatte Viola sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal eine Flaschenpost zu bekommen. Darum war sie auch zunächst die Böschung hinabgeklettert, um die Flasche an sich zu nehmen. Doch plötzlich hatte die Flasche etwas Bedrohliches angenommen. Auffordernd hatte sie geklirrt und verlangt, dass Viola sich ihrer annehme. Was, wenn die Flaschenpost kein Geschenk war, sondern eines verlangte? Violas Flaschenpost weiterlesen

Gedichte für Kinder von Sibylle Hoffmann

Die Fliege

Ich bin eine bedeutende Fliege
Und fliege mit Fliegengepäck
Ich fliege, ich fliege, ich fliege
Und lande mitten im Dreck.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Magst du mich etwa nicht?
Ich fliege und fliege und fliege
Und lande in deinem Gesicht.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Du findest mich lästig und dumm?
Ich fliege und fliege und fliege
Jetzt schneller im Zimmer herum.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Mit Nadelstreifen und so
Ich fliege, ich fliege, ich fliege
Und lande auf deinem Popo.

Heute auf https://www.dasgedichtblog.de/gedichte-fuer-kinder-folge-30-sechs-kindergedichte-von-sibylle-hoffmann/2017/08/10/#

Im Pharma-Zoo: Beitrag zur Blogparade von Madame Flamusse

Das Pillentier

Im Pharma-Zoo

Das Volta-Reh floh in den Wald
und Tili dient mir nur noch halb
auch Lisi hext nicht mehr
das Blut druckst so herum
hat wieder nix geschrieben
Ibu prooft die Herzfrequenz
und mir ist nichts geblieben
als du, der meinen Rücken krümmt

zur Strafe kriegst du von mir Strom
schlagartig prügelst du zurück
zusammen hält mich nur ein Stück
Tape, hellblau und chrom


Blogparade „Mein Körper (und ich)“: reingelesen.wordpress.com


Zu dem Gedicht einige persönliche Worte:
Als ich geboren wurde, hatte ich zwei deformierte Hüften (beidseitige Hüftdysplasie) und ein Bein, das nicht im Hüftgelenk verankert war (Luxation). Da man 1970 noch kein Ultraschallgerät hatte, wurde das erst bemerkt, als ich neun Monate alt war. Für die folgenden anderthalb Jahre wurde ich in einem Gipsbett und anschließend in einer sog. Spreizhose fixiert, um das Bein in die Hüfte zu bringen und das andere derweil am Wachsen zu hindern. Die Kante des Gipsbetts drückte auf meine Wirbelsäule, denn ich konnte nur noch im Bett liegen. Die Wirbelsäule deformierte sich und zwei Wirbel drehten sich von der Gipskante weg. Laufen lernte ich mit knapp drei Jahren, fiel aber ständig hin und hatte keine Fallreflexe. Mit acht Jahren begannen die Schmerzen, die ich bis heute habe und die nicht heilbar sind. Es sollte 44 Jahre dauern, bis ich erfuhr, dass ich auch einen genetischen Defekt habe und an dem Hypermobilitätssyndrom leide. Das bedeutet, dass mir ein Kollagen fehlt, aufgrund dessen mein Bindegewebe so schwach ist, dass ich mich sehr gut verrenken kann, aber keine Stabilität habe. Bindegewebe ist überall im Körper, die Bänder sind zu lax, es ist auch in den Knochen und Muskeln. Deshalb kann ich mir nur in engen Grenzen Kraft antrainieren, mein Körper kann die noch vorhandenen Hüft- und Wirbelsäulenanomalien nicht muskulär ausgleichen. Das ist der Grund für chronische Schmerzen, die mich nun seit 39 Jahren begleiten. Im Laufe der Zeit sind sehr viele Texte entstanden, ein Sachbuch über meine Art, mit Schmerzen zu leben, ist in Arbeit. Da ich in erster Linie Lyrikerin bin, habe ich überwiegend Gedichte über Schmerz geschrieben. Einige davon sind in meinem Buch „Der Boden des Dunkels“ veröffentlicht (BoD, 2011).
Das hier vorgestellte Gedicht ist eins aus einer sehr harten Phasen mit starken Schmerzen und wenig Hoffnung. Hier habe ich die Namen der Medikamente, die ich nehme,  persifliert und spreche den Schmerz als Gegenüber des literarischen Ichs an (du = der Schmerz).

Nicht jeder Tag ist so schwarz und das Dunkel ist nicht bodenlos! Man darf über dieses Gedicht auch lachen.

 

 

 

 

Versheimat – Folge 75: »Teichpumpenblues« — DAS GEDICHT blog

Leni Gwinner hat mit ihrem außergewöhnlichen und gelungenen Text einen der Preise beim Lyrikstier 2017 gewonnen.

Die begleitende Netz-Anthologie zu DAS GEDICHT 24, zusammengestellt und ediert von Fitzgerald Kusz und Anton G. Leitner Leni Gwinner Teichpumpenblues Täglich um 6 Uhr fünfunddreißig schaltet die Zeitschaltuhr mich ein Dabei bin ich schon seit Jahren, hier unten doch völlig allein Schlammig Wasser macht sich dann verbraucht auf seine Reise Zieht matschig, gatschig, quatschig…

über Versheimat – Folge 75: »Teichpumpenblues« — DAS GEDICHT blog

Ankündigung Blogparade

Unbedingt Leticia Wahl angucken! S. Gedichtfilm!

reingelesen

Ich möchte heute eine Ankündigung machen und hoffe demnächst mehr dazu schreiben zu können.
Wer hat wieder Lust auf eine Blogparade? Ich werde das diesmal erheblich weiter streuen wie sonst und bin auch auf Fb damit aktiv.

Das Thema wird sein: „Mein Körper (und ich)“ Überschrift und Teilbereiche natürlich frei wählbar.

Das ganze schwirrt mir schon ne ganze Weile im Kopf herum, einmal weil ich mich seit langem mit allen möglichen Themen zu Weiblichkeit und Frausein befasse ( Feminstisch und auch anders) und dazu auch das „Purpurnest auf Fb als kleine Networkingseite betreibe, weil es bei mir auf verschiedene Weise eine Rolle gespielt hat, weil ich erst zu klein war, dann zu dünn, dann krank und dann mir selbst zu dick, weil ich mich oft unwohl gefühlt habe oder den Eindruck hatte meinen eigenen Körper erst erobern zu müssen, weil ich immer noch ein Problem habe mich auf Fotos…

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