Poesie trifft Komposition: Fassaden und Facetten

7 Versionen eines Gedichts

Am Samstag um 19 Uhr spielen wir im Kunstforum der GEDOK, Koppel 66/Lange Reihe 75, ein Programm in Hanna Malzahns Ausstellung „Ansichtssache“. Ich habe zu Hannas Bildern neue Gedichte geschrieben. Hanna und ich haben jedoch unabhängig voneinander beide zum Thema Urbanität gearbeitet, sodass viele Texte aus meinem neuen Buch zu ihren Bildern passen.

Am Dienstag hatten Hanna und ich ein Werkstattgespräch, gaben Einblick in unsere Arbeit und beantworteten Fragen der Gäste. Jetzt freuen wir uns auf die morgige Veranstaltung, in der Wolfgang CG Schönfeld und ich wie gewohnt Texte mit Livemusik kombinieren.

Der Eintritt ist frei, eine Spende willkommen.

Poesie trifft Komposition: Fassaden und Facetten
Kunstforum der GEDOK Hamburg, Koppel 66/Lange Reihe 75 (Bus Nr. 6 bis Gurlittstraße)
21.10.2017, 19 Uhr

Foto: Günther von der Kammer

„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen“ (Isaac Asimov)

Roswitha Quadflieg

Am 11. Oktober hat Roswitha Quadflieg in der Ausstellung „Ansichtssache“ aus ihrem Buch „Das kurze Leben des Guiseppe M.“ gelesen und das Projekt vorgestellt. Verarbeitet Hanna Malzahn Urbanität aus ganz verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Entstehungsarten bildlich, so bringt Roswitha Quadflieg mit ihrem der Reportage nahen Buch eine (An-)Sicht auf die Geschehnisse in einer Großstadt – Berlin – ein, die Fragen aufwirft und betroffen macht: Welche Seiten hat die Stadt, von denen wir nichts mitbekommen? Welche Rolle spielen Parallelgesellschaften, die sich gebildet haben und derer die Politiker sich eher nicht annehmen? Wie ist es möglich, dass in unserer aufgeklärten Gesellschaft derart archaische Gewalttaten passieren, und zwar ständig? „Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen“ (Isaac Asimov) weiterlesen

Literatur und Musik zum Thema „Streit!“

(c) Ökumenische Friedensdekade

„Die Ökumenische Friedensdekade steht in diesem Jahr unter dem Motto „Streit!“ und streiten können muss man in einer Demokratie. Wer nicht streiten kann, der kann sich auch nicht einsetzen für das, woran er glaubt. Konflikt- und Dialogbereitschaft sind besonders wichtig für eine gesunde Demokratie. Man muss auch mal streiten, um die Perspektive zu wechseln und vielleicht einen neuen Blick auf alte Herausforderungen zu bekommen. Für jeden guten Kompromiss ist es schließlich entscheidend, dass beide Seiten sich gesehen fühlen.“ (Malu Dreyer, Grußwort)

Im Kleinen wie im Großen ist es entscheidend, ob und wie eine Streitkultur gelingt. Denn was in einer Beziehung oder Familie praktiziert wird, tragen deren Mitglieder nach außen. Mit dem diesjährigen Motto haben sich die Autorinnen Heike Suzanne Hartmann-Heesch, Sibylle Hoffmann und Maren Schönfeld sowie der Autor Detlev H. G. König in Form von Erzählungen und Gedichten befasst. Der Komponist und Musiker Wolfgang CG Schönfeld bildet mit seiner Instrumentalmusik für Bassgitarre, Orchester und Band eine Ebene ab, die wie eine eigene Sprache wirkt.

www.friedensdekade.de
Dieses Jahr werden wir zwei Auftritte haben:

14. November 2017 um 19:00 Uhr
Ev.-luth. St. Petri-Kirche Hamburg Altona,
Schillerstr. 22, 22767 Hamburg

und

16. November 2017 um 19:00 Uhr
Evangelisch-methodistische Kirche Bethanien, Bethanien-Höfe, Martinistr. 41-49, 20251 Hamburg

Eintritt ist jeweils frei, Hutspende willkommen

Von ZELLHAUFEN und SEPARATORENFLEISCH

Performance mit einer Auswahl Unwörtern des Jahres aus meinem Projekt WEICHE ZIELE und WOHLSTANDSMÜLL

Fotos: Günther von der Kammer

Impressionen der ersten Performance mit den Unwörtern im Kunstforum der GEDOK. Wir werden sie auf jeden Fall wiederholen! Danke an alle Gäste für die begeisterten Reaktionen.

Violas Flaschenpost

Text und Foto: Maren Schönfeld

Die Flasche war dunkelgrün und eher klein, bauchig. Unterhalb des Flaschenhalses zierte sie ein erhabenes Muster, das ihr etwas Altmodisches oder Fremdes verlieh. Leise klirrend stieß die Flasche immer wieder gegen die Ufersteine; der rote Siegellack, mit dem sie verschlossen war, blieb unversehrt.

Bereits eine halbe Stunde saß Viola oben auf den Steinen und beobachtete die Flasche, hinter deren Glas es hell schimmerte. Es gab keinen Zweifel daran, dass es eine Flaschenpost war. Als Kind hatte Viola sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal eine Flaschenpost zu bekommen. Darum war sie auch zunächst die Böschung hinabgeklettert, um die Flasche an sich zu nehmen. Doch plötzlich hatte die Flasche etwas Bedrohliches angenommen. Auffordernd hatte sie geklirrt und verlangt, dass Viola sich ihrer annehme. Was, wenn die Flaschenpost kein Geschenk war, sondern eines verlangte? Violas Flaschenpost weiterlesen

Gedichte für Kinder von Sibylle Hoffmann

Die Fliege

Ich bin eine bedeutende Fliege
Und fliege mit Fliegengepäck
Ich fliege, ich fliege, ich fliege
Und lande mitten im Dreck.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Magst du mich etwa nicht?
Ich fliege und fliege und fliege
Und lande in deinem Gesicht.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Du findest mich lästig und dumm?
Ich fliege und fliege und fliege
Jetzt schneller im Zimmer herum.

Ich bin eine bedeutende Fliege
Mit Nadelstreifen und so
Ich fliege, ich fliege, ich fliege
Und lande auf deinem Popo.

Heute auf https://www.dasgedichtblog.de/gedichte-fuer-kinder-folge-30-sechs-kindergedichte-von-sibylle-hoffmann/2017/08/10/#

Im Pharma-Zoo: Beitrag zur Blogparade von Madame Flamusse

Das Pillentier

Im Pharma-Zoo

Das Volta-Reh floh in den Wald
und Tili dient mir nur noch halb
auch Lisi hext nicht mehr
das Blut druckst so herum
hat wieder nix geschrieben
Ibu prooft die Herzfrequenz
und mir ist nichts geblieben
als du, der meinen Rücken krümmt

zur Strafe kriegst du von mir Strom
schlagartig prügelst du zurück
zusammen hält mich nur ein Stück
Tape, hellblau und chrom


Blogparade „Mein Körper (und ich)“: reingelesen.wordpress.com


Zu dem Gedicht einige persönliche Worte:
Als ich geboren wurde, hatte ich zwei deformierte Hüften (beidseitige Hüftdysplasie) und ein Bein, das nicht im Hüftgelenk verankert war (Luxation). Da man 1970 noch kein Ultraschallgerät hatte, wurde das erst bemerkt, als ich neun Monate alt war. Für die folgenden anderthalb Jahre wurde ich in einem Gipsbett und anschließend in einer sog. Spreizhose fixiert, um das Bein in die Hüfte zu bringen und das andere derweil am Wachsen zu hindern. Die Kante des Gipsbetts drückte auf meine Wirbelsäule, denn ich konnte nur noch im Bett liegen. Die Wirbelsäule deformierte sich und zwei Wirbel drehten sich von der Gipskante weg. Laufen lernte ich mit knapp drei Jahren, fiel aber ständig hin und hatte keine Fallreflexe. Mit acht Jahren begannen die Schmerzen, die ich bis heute habe und die nicht heilbar sind. Es sollte 44 Jahre dauern, bis ich erfuhr, dass ich auch einen genetischen Defekt habe und an dem Hypermobilitätssyndrom leide. Das bedeutet, dass mir ein Kollagen fehlt, aufgrund dessen mein Bindegewebe so schwach ist, dass ich mich sehr gut verrenken kann, aber keine Stabilität habe. Bindegewebe ist überall im Körper, die Bänder sind zu lax, es ist auch in den Knochen und Muskeln. Deshalb kann ich mir nur in engen Grenzen Kraft antrainieren, mein Körper kann die noch vorhandenen Hüft- und Wirbelsäulenanomalien nicht muskulär ausgleichen. Das ist der Grund für chronische Schmerzen, die mich nun seit 39 Jahren begleiten. Im Laufe der Zeit sind sehr viele Texte entstanden, ein Sachbuch über meine Art, mit Schmerzen zu leben, ist in Arbeit. Da ich in erster Linie Lyrikerin bin, habe ich überwiegend Gedichte über Schmerz geschrieben. Einige davon sind in meinem Buch „Der Boden des Dunkels“ veröffentlicht (BoD, 2011).
Das hier vorgestellte Gedicht ist eins aus einer sehr harten Phasen mit starken Schmerzen und wenig Hoffnung. Hier habe ich die Namen der Medikamente, die ich nehme,  persifliert und spreche den Schmerz als Gegenüber des literarischen Ichs an (du = der Schmerz).

Nicht jeder Tag ist so schwarz und das Dunkel ist nicht bodenlos! Man darf über dieses Gedicht auch lachen.

 

 

 

 

Versheimat – Folge 75: »Teichpumpenblues« — DAS GEDICHT blog

Leni Gwinner hat mit ihrem außergewöhnlichen und gelungenen Text einen der Preise beim Lyrikstier 2017 gewonnen.

Die begleitende Netz-Anthologie zu DAS GEDICHT 24, zusammengestellt und ediert von Fitzgerald Kusz und Anton G. Leitner Leni Gwinner Teichpumpenblues Täglich um 6 Uhr fünfunddreißig schaltet die Zeitschaltuhr mich ein Dabei bin ich schon seit Jahren, hier unten doch völlig allein Schlammig Wasser macht sich dann verbraucht auf seine Reise Zieht matschig, gatschig, quatschig…

über Versheimat – Folge 75: »Teichpumpenblues« — DAS GEDICHT blog