Archiv der Kategorie: Artikel und Rezensionen

Buchrezensionen und Artikel von Maren Schönfeld

Das Schweigen der Mütter

zu dem Roman „Die Kuschellüge“ von Brigitte Cleve

Als die Protagonistin Laura nach fast zwanzig Jahren wieder in das Ferienhaus der Familie zurückkehrt, um dort die Haushaltsauflösung voranzutreiben, ergreifen sie traumatische Erinnerungen. Ihren Freund, der sie begleitet, weist sie aggressiv zurück. Ihr Aufenthalt in dem Haus beschert ihr ein Déjà-vu nach dem anderen, ausgelöst von Dingen wie dem Kacheldekor in der Dusche. Was war geschehen in dem einen Sommer mit Onkel Edi, der auf die damals Elfjährige aufpassen sollte? Und wer wusste davon?

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Lesetipps

Aus Leipzig mitgebracht und wärmstens empfohlen:

„Seezeichen“ von Susanne Leiste-Bruhn, Wiesenburg Verlag, Schweinfurt 2018
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„Das pure Leben spüren – Warum wir nicht viel brauchen, um glücklich zu sein“ von Barbara Messer, Gabal Verlag, Offenbach 2018
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„Stabilierte Saitenlage“, Die Liebesgedichte von Peter Gosse, mitteldeutscher verlag, Halle (Saale) 2017
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„Bodenkunde“ von André Schinkel, mitteldeutscher verlag, Halle (Saale) 2017
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„Wo Wege sich kreuzen“ – Ein Lesebuch, FDA Hamburg/Schleswig-Holstein (Hg.), elbaol verlag hamburg, Meldorf 2016

und die Literaturzeitschrift „poetin nr 24“, literaturmagazin aus dem Poetenladen zum Thema „Literatur und Wasserglas“
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außerdem die Jubiläumsausgabe der Lyrikzeitschrift  „Poesiealbum neu“ mit dem Titel „Vom Glück“, herausgegeben von der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik in Leipzig, mit Gedichten von 78 Autorinnen und Autoren.

Nachlese Leipzig

Das war sie schon wieder, die Buchmesse!

Samstag hatten wir einen Tag im Hotel, während draußen der Schnee rieselte, rieselte, rieselte … nachmittags rutschten wir mit zwei Bassgitarren, Verstärker, Geräten, Kabeln und Koffer mit Büchern und CDs im Gepäck mit dem Auto zum Gohliser Schlösschen.

Zunächst stellte die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik unter der Leitung von Ralph Grüneberger die aktuellen Exemplare „Steinbrech“ und „Vom Glück“ der Lyrikzeitschrift „Poesiealbum neu vor. Es lasen mit mir Patricia Falkenburg, Heidrun Stödtler, Joachim Gräber und Andreas Reimann, der mit dem Poesiealbum neu-Lyrikpreis ausgezeichnet wurde (s. geteilten Beitrag vom 18.3.18). Wolfgang CG Schönfeld spielte seine Kompositionen und improvisierte am Solo-Bass.

Um 21 Uhr schloss der Leseabend mit der traditionellen Wiesenburg-Lesung, die von Susanne Leiste-Bruhn und ihrem neuen Buch „Seezeichen“ und von mir gestaltet wurde. Trotz der widrigen Wetterverhältnisse, einem gesperrten Hauptbahnhof und nicht mehr fahrenden Bahnen hatten sich einige interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer eingefunden und für eine angenehme und positive Atmosphäre gesorgt.

(Fotos: Wolfgang Schönfeld)

Es waren schöne Tage, vielen Dank an alle Mitwirkenden und ganz besonders an den Wiesenburg Verlag!

Tag 2 in Leipzig

Wir sind komplett eingeschneit! Und es rieselt und rieselt unermüdlich weiter …

Tag 2 auf der Messe war irrsinnig voll, aber ich habe trotzdem meine Runden durch die Hallen 2 und 4 geschafft und ein gutes Gespräch mit dem Gabal-Verlag über mein Sachbuchmanuskript geführt.

Beim elbaol verlag habe ich sogar ein Buch gewonnen! Und wurde von Ellen Balsewitsch-Oldach und Dirk-Uwe Becker mit Mineralwasser versorgt.

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Tag 1 Leipziger Buchmesse

Wie schön, wieder mal hier zu sein!

Heute habe ich als erstes die Hallen 3 und 5 besucht und den ersten Teil meines Laufplans abgearbeitet.

Natürlich galt mein erster Besuch dem Wiesenburg Verlag und meinem neuen Buch „Töne, metallen, trägt der Fluss“. Große Wiedersehensfreude mit Thomas und Werner Schmid! Ebenfalls Wiedersehensfreude gab es bei Franz Westner vom Salon Literaturverlag, der auch ganz außergewöhnlich schöne Lyrikbände in einem außergewöhnlichen Format präsentiert, aber auch Romane und andere Titel im Programm hat.

Beim Echter-Verlag war keine Lyrik ausgestellt und so konnte ich nicht schauen, ob meine Engel-Gedichte aktuell ins Programm passen. Leider war auch kein Verlagsmitarbeiter dort, aber ein anderer Herr vom christlichen Gemeinschaftsstand schenkte mir zum Trost ein TeDeum und ein Jacobsweg-Pilgernotizbuch. Danke!

Für die weitere Poesie streifte ich durch die Gänge mit weiteren kleineren Verlagen, besuchte den Poetenladen und kaufte die aktuelle „Poetin“.

BoD war wie immer gut besucht und ich wurde sehr freundlich darüber beraten, wie ich aus meinem ersten Lyrikband „mit einem Rosendorn“, 2005 als Taschenbuch erschienen, ein Hardcover machen kann. Dazu bekam ich noch ein Notizbuch geschenkt. Also auch herzlichen Dank an Books on Demand!

Beim Kelter Verlag habe ich zum zweiten Mal „meine“ Redakteurin nicht getroffen, aber jetzt habe ich eine Einladung für Hamburg! Danke also an das Verlagsteam, ich komme bestimmt demnächst einmal vorbei und löse die Einladung zum Kaffee ein.

„Wir machen Druck“ vergab großzügig Taschen mit Goodies und tatsächlich gibt es dort interessante Angebote für Werbematerial wie Postkarten. Immer interessant für mich,  weil ich an eine neue Edition Lyrikpostkarten mit meinen Gedichten denke. Geht mal vorbei dort, es gibt neben einer Dose Apfelschorle (die man wirklich gut gebrauchen kann in der trockenen Messeluft!) einen Flyer, ein Lesezeichen, den Klebezettelblock „analoger USB-Stick“ und eine frischgrüne große Tüte, die mir heute sehr gute Dienste geleistet hat … Vielen Dank!

Beim „Selfpublisher“ habe ich gleich ein reduziertes Jahresabo bestellt und das aktuelle Exemplar mitbekommen. Herumstreifend entdeckte ich den Scribo-Verlag, der ansprechende kleine quadratische Büchlein herstellt, die sich sowohl für Kurzprosa als auch für Gedichte eignen. Einmalig sind auch kleine Lesemagnete, an denen ich nicht vorbei kam, ohne zwei zu kaufen (als Lesezeichen).

Habe ich beim „Verlag für die Frau“ einen Heimvorteil als weibliches Wesen? Nö! Der Name ist uralt, es sind auch männliche Autoren willkommen – trotzdem ist der Verlag bereit, mein Manuskript „Mit Handicap zum Erfolg“ anzuschauen.

Und natürlich war ich bei der Arno Schmidt-Stiftung und las ein paar Zeilen aus Zettels Traum …

Alles in allem ein erfolgreicher, spannender und fröhlicher Tag, den ich mit meinem Brixener Lyrikfreund Gontran Peer bei einem anständigen Kuchenbüfett beschloss.

Morgen geht es noch mal los in Hallen 2 und 4 und natürlich einmal durch die Glashalle.

Dummer Feminismus?

Wir schreiben das Jahr 2018, es ist ganze 15 Tage alt. Autorinnen und Autoren eines Hamburger Berufsverbands trafen sich am gestrigen Sonntag zum traditionellen Neujahrsempfang. Ehrengast war Peter Schmachthagen, den Leserinnen und Leser des Hamburger Abendblatts als Verfasser einer regelmäßigen Rubrik kennen, die sich mit der deutschen Sprache befasst. Schmachthagen wurde 2017 mit dem Elbschwanenorden, verliehen vom Verein Deutsche Sprache e.V., geehrt. Diesen Orden erhalten Personen, „die sich um Pflege und Förderung der deutschen Sprache in besonderer Weise verdient gemacht haben“.[1]

Eine kluge und witzige Rede der Vorsitzenden des Veranstalters leitete zum Thema Anglizismen in der deutschen Sprache ein, die sicherlich gerade für Autorinnen und Autoren ein interessantes Thema wären. Wer dachte, Peter Schmachthagen würde sich diesem Thema widmen, hatte sich jedoch geirrt. Zunächst kam er auf die Unterschiede zwischen Autor und Journalist zu sprechen und witzelte über die mageren Tantiemen, die er als Buchautor erhalten hätte, nicht ohne die Gäste wissen zu lassen, dass er glücklicherweise als angestellter Journalist gearbeitet hätte. Dass „Sie“, gemeint waren wir Gäste, „davon leben müssen“, täte ihm leid. Nun kann man über Humor sicherlich streiten. Wenn ein 76-jähriger, der sich um seine Existenz keine Sorgen zu machen braucht, glaubt, er müsste sich über die jüngeren, berufstätigen Kolleginnen und Kollegen lustig machen, die in unserer Zeit eine sehr viel unsicherere Existenz haben – bitte sehr.

Der Schwenk zum Thema „Gender“ kam danach recht unvermittelt und wurde sogleich mit dem Zusatz „unselig“ von Schmachthagen angekündigt, sodass sofort klar war, dass es mindestens durch den Kakao gezogen werden sollte. Allerdings war der Topf mit Kakao so groß, dass gleich alles, von Gott über die Studenten bis zu Mikrofonen, darin versenkt wurde, in einem anmaßenden und überheblichen Rundumschlag. Dummer Feminismus? weiterlesen

Rapunzel und die Mafia

Sofi Oksanen, Foto: Toni Härkönen

Das Märchen Rapunzel war der Ausgangspunkt für Sofi Oksanens 2015 in Finnland, 2017 in Deutschland erschienenen Roman „Norma“ (deutscher Titel: „Die Sache mit Norma“). Für die estnisch-finnische Autorin, in der Kindheit geprägt von russischen lehrreichen oder Tiermärchen, war die revolutionäre Geschichte von Rapunzel das Lieblingsmärchen. So kreierte sie eine, wie sie sagt, postmoderne Version dieser Märchenfigur. Aber es wäre nicht Sofi Oksanen, bekämen wir es nicht auch mit Feminismus und gesellschaftlichen Fakten zu tun. 19 Millionen Menschen kamen 2010 zum indischen Tirupati-Tempel, um ihre Haare den Göttern zu opfern[1]. Die Tempel verkaufen das Haar, längst reicht es nicht mehr, um den Bedarf in der Welt zu decken. Extensions, wie sie Jennifer Lopez und Paris Hilton tragen, sind beliebt und werden teuer bezahlt. Längst ist das Geschäft mit den Haaren ein weltweites geworden. Im chinesischen Taihe wurden 2012 mit Haarexporten 88 Millionen Dollar erwirtschaftet.[2] Es gibt Orte auf der Welt, in denen sich zwei Bandenmitglieder auf einem Mofa einer an der Ampel stehenden Frau nähern und ihr – ratsch! – die Haare abschneiden, um damit zu türmen und sie zu verkaufen. Doch die Frauen im Tempel geben ihre Haare freiwillig her, andere gegen einen geringen Preis. Am wenigsten bekommen weltweit die Frauen, die ihre Haare abgeben. Am meisten kassieren Männer, die diese Geschäfte machen. Rapunzel und die Mafia weiterlesen

Hotel Edelweiss: Advent im Schnee am Silsersee

Außenansicht, Detail
(c) Hotel Edelweiss, Sils-Maria

Echte Winterromantik in der Vorweihnachtszeit muss man suchen – fündig wird man in Sils-Maria auf 1.800 Metern bei St. Moritz auf der Oberengadiner Seenplatte. Wo einst Nietzsche „sommerfrisch“ philosophierte, holen sich heute Winterromantiker neue Inspirationen im Schnee. Neben dem denkmalgeschützten Hotel steht das Nietzsche-Haus, wo der von Geldknappheit geplagte Dichter und Denker zeitweise ein ungeheiztes Zimmer gemietet hatte. Manchmal dinierte er im Jugendstil-Speisesaal des Hotels Edelweiss. Die Farbgebung der Außenfassade ist nach mühevoller Recherche und liebevoller Detailarbeit originalgetreu wiederhergestellt worden. Die Innenräume ziert das in der Region stark vertretene Zirbenholz, das eine gemütliche und warme Atmosphäre verleiht und sogar positive Wirkung auf die Gesundheit haben soll.

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„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen“ (Isaac Asimov)

Roswitha Quadflieg

Am 11. Oktober hat Roswitha Quadflieg in der Ausstellung „Ansichtssache“ aus ihrem Buch „Das kurze Leben des Guiseppe M.“ gelesen und das Projekt vorgestellt. Verarbeitet Hanna Malzahn Urbanität aus ganz verschiedenen Perspektiven und in unterschiedlichen Entstehungsarten bildlich, so bringt Roswitha Quadflieg mit ihrem der Reportage nahen Buch eine (An-)Sicht auf die Geschehnisse in einer Großstadt – Berlin – ein, die Fragen aufwirft und betroffen macht: Welche Seiten hat die Stadt, von denen wir nichts mitbekommen? Welche Rolle spielen Parallelgesellschaften, die sich gebildet haben und derer die Politiker sich eher nicht annehmen? Wie ist es möglich, dass in unserer aufgeklärten Gesellschaft derart archaische Gewalttaten passieren, und zwar ständig? „Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen“ (Isaac Asimov) weiterlesen

Des eigenen Glückes Schmied sein …?!

Buchcover, Wiesenburg Verlag

So sagt ein altes Sprichwort, das mir bei dem Titel „Glück ist eine Entscheidung“ in den Sinn kommt. Ein wenig Skepsis kommt in mir hoch angesichts der gerade mal 81 Seiten, die „Handouts und Tools für Dein Glücklichsein“ enthalten sollen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Jens Faber-Neuling schafft es, in diesem begrenzten Umfang eine Menge Impulse und Anhandgaben zu versammeln, mit denen die Leserschaft weiterarbeiten kann. Denn dafür ist das Buch gedacht, es ist ein Praxisbuch und schnell wird klar, dass es nicht reicht, es einfach durchzulesen. Die Mitwirkung des Lesers ist gefragt und es gelingt dem Bewusstseinscoach und Mentaltrainer Faber-Neuling, leidenschaftlich dazu zu motivieren.

In drei Kapiteln „Der Blick“, „Der Durchblick“ und „Der Durchmarsch“ geht es von der Analyse des Ist-Zustandes, des eigenen Wertegerüsts und der Prägungen über die Wünsche bis zur konkreten Formulierung von Zielen sowie Empfehlungen, wie man diese erreichen kann. Dabei fordert der Autor immer wieder zur schriftlichen Reflexion des Gelesenen auf, bevor der nächste Buchabschnitt angegangen wird. Sein Schreibstil ist erst etwas gewöhnungsbedürftig, denn er bedient sich keiner Schriftsprache, sondern als Leser kommt man sich eher so vor, als habe der Trainer eins seiner Seminare live mitgeschnitten und eins zu eins abtippen lassen. Hat man sich an diesen unmittelbaren Stil gewöhnt, kommen die Vorteile zum Ausdruck, nämlich die sehr unvermittelte Ansprache und Konzentration auf das Wesentliche, nicht zuletzt die Vermittlung des Inhalts auf Augenhöhe. Jens Faber-Neuling nimmt Bezug auf Forschungs- und Studienergebnisse, jedoch nur, um seine Thesen zu untermauern und nicht, um mit Wissen zu glänzen. Das Buch basiert auf „den geistigen Gesetzen, Lebensprinzipien, universellen Gesetzmäßigkeiten (…) sowie dem Gesetz von Ursache und Wirkung“ (S. 18). Es ist also keine Zauberei am Werk und der Leser braucht keine besonderen Fähigkeiten, um mit dem Text umzugehen.

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